Mathias Peter  |   Spiel 
Christine Lather  |  Gesang
Bruno Brandenberger  |  Kontrabass


Regie  |  Daniel Pfister
Konzept und Textbuch  |  Mathias Peter

Aufführungsdauer ca. 90 Minuten, keine Pause


Jakob Senn – Der "Grüne Heinrich" von Fischenthal

Zum Inhalt

Geboren als Söhne eines Kleinbauern in der Zürcher Oberländer Gemeinde Fischenthal entwickelten die Brüder Jakob und Heinrich Senn ein ungewöhnliches Interesse für die Welt der Bücher.

Mit seinem Roman Hans Grünauer – der Titel spielt bewusst auf Gottfried Kellers Bildungsroman Der Grüne Heinrich an – hat der dichterisch ambitionierte Jakob Senn (1824–1879) ein bis heute gültiges Stück Literatur geschaffen. Mit umwerfendem Charme schildert er darin das Heranwachsen des Bauernsohns Hans Grünauer, der schon früh fürs Auskommen der Familie an den Webstuhl gesetzt wird. Seine Leidenschaft aber gilt den Textgeweben: Süchtig liest er jedes gedruckte Wort, das er auftreiben kann, und bald beginnt er selber zu schreiben, mangels Papier auf jede erdenkliche Unterlage. Der Roman endet mit dem Entschluss zum Leben als freier Schriftsteller.

Jakob Senns drei Jahre jüngerer Bruder Heinrich Senn (1827–1915) hat sich seinerseits von 1850 bis 1885 über 35 Jahre hinweg in einem ausführlichen Tagebuch als getreuer Chronist seiner Zeit betätigt. Seine Aufzeichnungen spiegeln die politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung der Schweiz im 19. Jahrhundert und die reale Biografie seines Bruders Jakob, der in diesen Notizen über weite Strecken die Hauptfigur ist.

Im Zentrum des Theaterabends steht Jakob Senn. Anhand von Auszügen aus dem Roman und aus den Aufzeichnungen seines Bruders Heinrich wird sein exemplarisches Schicksal als Autodidakt geschildert, der mit der literarischen Sichtung seines Lebens den Höhepunkt seines Schaffens erreichte. Der Abend erzählt aber auch von den Schattenseiten dieses Lebens, von der Niederlassung als Wirt in St. Gallen und der Auswanderung nach Südamerika, von der desillusionierten Rückkehr nach Zürich und dem bitteren Tod im März 1879 in der Limmat. Gleichzeitig wird auch das Schicksal Heinrich Senns greifbar, der den elterlichen Hof übernahm, eine Familie gründete und mit sechzehn Kinder "gesegnet" war.

Das Textmaterial eröffnet einen ganz unverstellten Blick auf das 19. Jahrhundert, die Zeit der florierenden Heimindustrie, der Schulreformen, der schrittweisen Industrialisierung, der letzten Hungersnot sowie der Auswanderung nach Übersee.

Die erzählerische Collage, während der Schauspieler Matthias Peter abwechselnd in die Rollen Jakob und Heinrich Senns schlüpft, wird in idealer Weise durch zeitgenössisches Volksliedgut ergänzt. Den Liedern liegen zum grössten Teil Gedichte Jakob Senns zugrunde, die von der Sängerin Christine Lather und dem Musiker Bruno Brandenberger eigens vertont wurden.

Liedertitel

Eine Leiche
Text: Jakob Senn, Musik: Lather / Brandenberger

Mis Fischethal
Text: Dr. C. Keller, Musik: Jakob Egli

Eis, zwei drü
Volkslied aus: "Im Röseligarte"

Mein Vater, ach!
Text: Jakob Senn, Musik: Lather / Brandenberger

Jesu geh voran
Text: Niklaus Ludwig von Zinzendorf,
Musik: Adam Drese

Schönster Abendstern
Volkslied aus: "Im Röseligarte"

Mueter, wo isch dä Vatter
Text: Jakob Senn, Musik: Fr. Semper

Blumen aus der Heimat
Text: Jakob Stutz, Musik: Hans Ehrismann

Der Weber ist ein armer Wicht
Text: Heinrich Senn, Musik: Brandenberger

Nun fahre ewig, ewig hin
Text: Jakob Senn, Musik: Lather / Brandenberger

Sehnsucht
Text: Jakob Senn, Musik: Lather / Brandenberger

Z' Züri uf der obere Brugg
Text: Jakob Senn, Musik: Lather / Brandenberger

Riech und arm
Text: Jakob Senn, Musik: Lather / Brandenberger

Am Hafen
Text: Jakob Senn, Musik: Lather / Brandenberger

Eine Leiche
Text: Jakob Senn, Musik: Lather / Brandenberger